Wanderparadies Seiser Alm – ein Reiseberich von Ullrich Angersbach

Wanderparadies Seiser Alm – ein Reiseberich von Ullrich Angersbach


Die Seiser Alm ist mit 56 Quadratkilometern die größte Hochalm Europas und hat jährlich ca. 300 Sonnentage. Sie befindet sich in Italien nur ca. 20 Kilometer Luftlinie von Bozen entfernt und gehört zu den Südtiroler Dolomiten. Die Hochalm liegt am tiefsten Punkt bei Saltria auf 1680 Metern über dem Meeresspiegel. Die umgebenden Berge führen bis auf 2563 Meter hinauf.

Viele kennen die Seiser Alm nur wegen ihrer rund 60 Kilometer langen Loipen und etwa gleich langen Abfahrtspisten als Eldorado für den Wintersport mit der ganzen Familie. Doch was viele nicht wissen, diese Hochalm ist im Sommer ein unvergleichliches Wandergebiet für Jung und Alt. Dort herrschen angenehme Wandertemperaturen, wenn es anderswo schon zu heiß ist. Die bizarren Felsformationen der Dolomiten bieten immer wieder unerwartete neue Ausblicke und lassen den fotobegeisterten Wanderer nicht zur Ruhe kommen. Das gleiche gilt für den Blumenfreund. Er findet hier Pflanzen wie Alpenrosen und Edelweiß im Überfluss.

Die Küche Südtirols ist mit ihren Knödel-Gerichten, Speck- und Käseplatten sowie vielen italienischen Einflüssen eine kulinarische Entdeckungsreise wert.

 

Anfahrt zur Seiser Alm

Wer mit dem Auto, von Kastelruth aus, hinauf zur Seiser Alm fährt, kommt im Hauptort Kompatsch an. Das Befahren der Alm ist nur mit Sondergenehmigung möglich, die man aber erhält, wenn man eines der Hotels der Alm gebucht hat. Außer am Tag der An- und Abreise darf man dort nur vor 10 Uhr oder nach 17 Uhr mit dem Auto fahren. Ansonsten stehen Busse zur Verfügung, die regelmäßig alle wichtigen Punkte der Seiser Alm mit großer Pünktlichkeit abfahren.

Neben dem Auto kann man auch mit dem Bus oder der Seilbahn von Seis aus zur Seiser Alm gelangen. Doch wer es sich leisten kann, sollte unbedingt ein Hotel auf der Alm buchen. So spart man nicht nur wertvolle Zeit, um zu dem Ausgangspunkt einer Wanderung zu kommen, sondern kann den grandiosen Sonnenaufgang- und Untergang täglich erleben.

 

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Finanzexperte und Marketing Coach Ullrich Angersbach empfiehlt in seinem Artikel verschiedene Routen auf der Seiser Alm, die gewandert oder teilweise auch mit dem Fahrrad gefahren werden können.

 

Wanderung zur Friedrich-August-Hütte

Für den ersten Tag bietet sich eine Wanderung zur berühmten Friedrich-August-Hütte an. Sie ist nach dem letzten König von Sachsen benannt, der die Sommermonate von 1904 bis 1914 in Seis und Umgebung verbracht hat und ein begeisterter Bergwanderer war. Bei der lokalen Bevölkerung war er beliebt, da er als einfacher Wanderer unterwegs war und Respekt vor den hartarbeiteten Bergbauern gezeigt haben soll.

Da sich der Körper erst an die Höhe anpassen muss, empfiehlt es sich mit dem Bus nach Saltria zu fahren und sich von dort mit der Seilbahn zur Williamshütte auf 2100 Meter bringen zu lassen. Weiter geht es in kurzer Zeit und relativ steil zur Plattkofelhütte auf 2300 Meter hinauf. Hat man das erst geschafft, kann man sich entspannen.

Nun folgt ein Weg, der nur noch wenig auf und ab geht. Es ist der Friedrich-August-Weg mit seinen traumhaften Ausblicken auf die umliegende schroffe Dolomiten-Bergwelt, der zur Friedrich-August-Hütte auf 2298 Meter führt. Die Hütte bietet Essen auf Gourmet-Niveau. Ullrich Angersbach empfiehlt die Spezialitäten vom Hochlandrind und den Kaiserschmarrn. Die reine Wegzeit von der Williamshütte bis zur Friedrich-August-Hütte beträgt ca. 2,5 Stunden.

 

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Wanderung zum Schlern

Höhepunkt eines jeden Wanderurlaubs auf der Seiser Alm, ist die Wanderung hinauf zur Spitze des Schlerns, dem Petz auf 2563 Meter Höhe. Für diese Unternehmung sollte man sechs bis sieben Stunden reine Wanderzeit kalkulieren. Gut trainierte und jüngere Wanderer werden die Strecke auch in deutlich weniger Zeit bewältigen können. Doch sollte man immer daran denken, nicht schneller aufzusteigen, als man sich noch gut unterhalten kann. Andernfalls droht ein plötzlicher Leistungsabfall. Vom Schlern gibt es keine Seilbahn, die einen zurückbringen kann, es muss alles wieder zu Fuß zurückgegangen werden. Allerdings bietet das Schlernhaus auf 2457 Metern Höhe Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Wer auf der Seiser Alm wohnt, sollte seine Wanderung von der Risch-Schwaige aus beginnen, wohin einen der Bus bringt. Von dort läuft man eine knappe Stunde über hügelige Wiesenwege bis zur Saltner Hütte auf 1830 Meter Höhe. Auf dem Weg lassen sich nicht nur zahlreiche Blumen bewundern, sondern vor einem liegt das atemberaubende Bergmassiv des Schlern-Rosengartens mit seinen markanten Formationen.

 

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Ab hier folgt der mühsame Aufstieg. Zwischendurch lohnt es sich, hier und da stehen zu bleiben und ins Tal zu schauen. Der Blick weitet sich und man sieht in der Ferne nicht nur viele der verschiedenen Hotels der Seiser Alm, sondern auch die ganz andere Bergwelt auf der gegenüberliegenden Seite der Seiser Alm. Schließlich, nach rund zweistündiger harter Beinarbeit, tauchen fast unwirklich die Umrisse des Schlernhauses auf. Sein erster Bauabschnitt wurde 1885 fertig gestellt und später weiter ausgebaut. Die verschiedenen Türmchen auf dem Dach und die winkeligen Anbauten geben dem Bau einen besonderen Reiz. Vom Schlernhaus sind es noch rund 20 Minuten bis zum Gipfel. Dort hat man einen großartigen Rundumblick und ist überwältigt von der Schönheit der Natur.

 

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Höhenwanderung um den Puflatsch

Wer genug von steilen An- und Abstiegen hat und einfach nur die Schönheit der Bergwelt genießen möchte, der fährt von Kompatsch aus mit der Seilbahn auf den Puflatsch und folgt den Wegweisern zur Puflatsch-Umrundung. Diese zirka zweistündige Höhenwanderung enthält nur wenig Steigungen auf 2100 Meter Höhe, bietet aber ständig wechselnde herrliche Ausblicke. So sieht man im hinteren Teil der Wanderung sehr schön auf Kastelruth hinunter.

 

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Kurz danach kommt man an einem mystischen Ort vorbei, den Hexenbänken. Im Volksglauben spielten Kräuterhexen neben Berggeistern besonders in der vorchristlichen Zeit eine große Rolle.

Auf der anderen Seite der Rundwanderung blickt man auf Berge wie den Schlern, die Rosszähne, den Lang- und Plattkofel.  An einer Stelle der Wanderung mit nahezu perfektem Rundblick kann man einen flachen Bau begehen, wo Tafeln einem alle Bergnamen im Rund benennen. Eine Rast lohnt sich in der Puflaschhütte, die für ihre verschiedenen Knödel berühmt ist. Dort kann man einen Meter Knödel bestellen. Das sind fünf verschieden Knödel, die groß genug sind, dass sie zwei bis drei Personen satt essen können. Das gilt umso mehr, wenn man noch Salat und Nachspeise hinzubestellen will.

 

Radwanderung mit dem E-Bike

Ein besonderer Reiz ist auch eine Radwanderung mit dem E-Bike. Dieses kann man sich in Kompatsch an verschiedenen Stellen ausleihen. Auf der Seiser Alm gibt zahlreiche Wege, die gut statt mit einem herkömmlichen Mountainbike mit einem E-Bike zu befahren sind. Es ist schon ein tolles Erlebnis, plötzlich Berge befahren zu können, die mit Muskelkraft kaum zu bewältigen sind. Dennoch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass das Fahren mit dem E-Bike ohne Anstrengung gelingt. Nur wenn man in die Pedale tritt, unterstützt einen der Elektromotor und der Grad der Unterstützung lässt sich nach Bedarf von Hand variieren.

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Fahren auf nicht asphaltierten Strecken, insbesondere auf Wegen, auf denen viele lose Steine liegen. Gefährlich aber kann es werden, wenn man solche schlecht befestigten Wege bergab fährt. Da empfiehlt es sich, den ersten Gang einzulegen, um so die Bremswirkung des Motors zu nutzen. Auch gehen Fahrten den Berg hinab stark auf die Handgelenke, sodass gelegentliche Pausen ratsam sind. Viele E-Bike-Fahrer sind ohne Helm unterwegs. Davon aber ist abzuraten, denn ein E-Bike kann wirklich schnell werden und ist für den Ungeübten auf engen Bergpfaden nicht immer leicht zu kontrollieren. Auch lohnt ein gelegentlicher Blick auf die Anzeige, die darstellt, wie weit die Board-Batterie noch geladen ist. Denn sollte die Batterie leer sein, hat man nur noch ein Fahrrad zur Verfügung, aber eines, dass besonders schwer ist. Dann kann es sein, dass einem der spöttische Spruch nachgerufen wird „wer sein Radl liebt, der schiebt“! Trotz allem sind E-Bikes auf der Seiser Alm sehr populär und man sieht kaum noch Radfahrer, die auf einem Mountainbike ohne Elektroantrieb unterwegs sind. Dafür sieht man selbst Fatbikes, also Fahrräder mit besonders dicken Reifen, die Elektro betrieben sind und von Jung und Alt gerne gefahren werden.

Wer aber die Seiser Alm in aller Ruhe erleben will, gönnt sich vielleicht eine traditionelle Kutschfahrt. Egal wie man die Landschaft genießt, die Seiser Alm bleibt unvergesslich.

 

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